Bund, Berufung und Verpflichtung 

Von Pfarrer Dr. iur. Lui Tran

1. Mitgliedschaft als Bund, nicht als Club
Im Alltagsverständnis bedeutet „Mitgliedschaft“ oft die Zugehörigkeit zu einem Club oder einer Organisation, die Vorteile bietet. In der Evangelisch-methodistischen Kirche (EMK) ist Mitgliedschaft jedoch bündnishaft, nicht konsumorientiert. Sie ist eine Weise, den Glauben an Christus zu bekennen, ein Leben der Nachfolge zu beginnen und sich der Sendung der Kirche anzuschließen, Jüngerinnen und Jünger Jesu Christi zu machen zur Umgestaltung der Welt.

Methodistinnen und Methodisten bekennen, dass die Taufe der Eintritt in die Gemeinschaft des Glaubens ist. Die Taufe gliedert uns in den Leib Christi ein, und die bekennende Mitgliedschaft ist der öffentliche Bund, der unseren Vorsatz ausdrückt, als Jüngerinnen und Jünger in einer Ortsgemeinde treu zu leben.

2. Theologische Grundlagen der Mitgliedschaft
Biblische Verankerung:

  • Römer 12,4–5: „Denn wie wir an einem Leib viele Glieder haben … so sind wir, die vielen, ein Leib in Christus.“
  • Erster Korinther 12: Mitgliedschaft ist nicht optional, sondern wesentlich; jedes Glied ist zum Dienst am Leib begabt.
  • Matthäus 28,19–20: Der Missionsbefehl definiert Mitgliedschaft als Teilhabe an Taufe, Lehre und Sendung.

Wesleyanische Perspektive: John Wesley verstand Mitgliedschaft in den methodistischen Gesellschaften als bündnishafte Verbindlichkeit. Klassenversammlungen verlangten von den Mitgliedern, nach Heiligung zu streben, für die Armen zu sorgen und den Dienst finanziell zu unterstützen. Mitgliedschaft war eine Lebensweise, nicht nur eine Einschreibung.

EMK-Lehre von Taufe und Bekenntnis: Die Taufe führt in die weltweite Kirche Christi ein. Das Glaubensbekenntnis (oder dessen Erneuerung bei bereits Getauften) und die Aufnahme in eine Gemeinde der United Methodist Church konkretisieren den Taufbund in einer lokalen Gestalt des Leibes Christi.

3. Folgerungen für Mitgliedschaft und Gemeindepraxis
Im Mai 2025 hat der Bischofsrat (Council of Bishops) – in Zusammenarbeit mit dem Connectional Table – diese leitende Vision vorgestellt, die unsere bleibende Mission ergänzt, Jüngerinnen und Jünger Jesu Christi zur Umgestaltung der Welt zu machen:

„Die Evangelisch-methodistische Kirche formt Jüngerinnen und Jünger Jesu Christi, die, vom Heiligen Geist befähigt, kühn lieben, freudig dienen und mutig leiten – in lokalen Gemeinschaften und weltweiten Verbindungen.“

Die drei Bewegungen der Vision – kühn lieben, freudig dienen und mutig leiten – benennen die Art von Jüngerschaft, die unsere Gelübde formen sollen.

  • Richten Sie unsere Mitgliedschaftsgelübde (Gebete, Gegenwart, Gaben, Dienst und Zeugnis) an Praktiken aus, die ausdrücklich kühne Liebe, freudigen Dienst und mutige Leitung im Alltag fördern.
  • Entwickeln Sie einen klaren Jüngerschaftspfad von der Taufe über das Glaubensbekenntnis bis zur Laienleitung, mit Meilensteinen für Dienst, Kleingruppenbildung und Mentoring.
  • Setzen Sie Prioritäten in der Arbeit mit und für vulnerable Menschen; prüfen Sie Haushaltspläne, Projekte der Vermögensverwaltung und Programmentscheidungen durch die Linse des freudigen Dienstes und der Nächstenliebe.
  • Rüsten Sie Laien aus, mutig gegen Unrecht und für Versöhnung zu leiten (Schulung in Konflikttransformation, Community Organizing und öffentlichem Zeugnis).
  • Erneuern Sie Gottesdienst und Kommunikation, um Zeugnisse kühner Liebe, freudigen Dienstes und mutiger Leitung als normativ für Mitgliedschaft sichtbar zu machen.
  • Führen Sie einfache, missionale Messgrößen ein (z. B. Anteil der Mitglieder im wöchentlichen Dienst; Zahl neu begleiteter Laienleiter; Versöhnungsgeschichten), um Wachstum im Zeitverlauf zu verfolgen.

Biblische Anker, die neben der Vision benannt wurden (z. B. Matthäus 22,37–39; Johannes 13,34–35; Psalm 100,1; Johannes 13,14–15; 1. Petrus 4,10; Josua 1,9; Epheser 6,10), können Predigtreihen und Kleingruppenkurse prägen.

Zeitplan und Ressourcen: Der Bischofsrat und der Connectional Table arbeiten mit Generalseinrichtungen zusammen, um gemeindliche Werkzeuge bereitzustellen, die Gemeinden helfen, diese Vision zu leben; Ressourcen sollen 2025–2026 in Jahreskonferenzen und Ortsgemeinden geteilt werden. Sobald Materialien erscheinen, kann dieser Leitfaden aktualisiert werden, um unsere Praxis mit den Ressourcen der Kirche abzugleichen.

4. Die Bedeutung der bekennenden Mitgliedschaft
Nach der Allgemeinen Kirchenordnung (Art. 216–221):

Eine bekennende Person ist, wer Gelübde abgelegt hat, Christus gegenüber durch die United Methodist Church treu zu sein, und die an ihren Diensten durch Gebete, Gegenwart, Gaben, Dienst und Zeugnis teilnimmt.

Zu den Mitgliedschaftsgelübden gehören:

  • dem Bösen zu entsagen und der Sünde zu widerstehen;
  • den Glauben an Jesus Christus als Retter zu bekennen;
  • die Treue zu Christi heiliger Kirche zu versprechen;
  • sich zu verpflichten, Christus durch die EMK mit Gebeten, Gegenwart, Gaben, Dienst und Zeugnis zu dienen.

Mitgliedschaft ist sowohl persönlich (ein Gelübde der Nachfolge) als auch verbindungsmäßig (sie verbindet jede Person mit dem weiteren Leib der EMK).

5. Verantwortung der Laien als Mitglieder
Die Allgemeine Kirchenordnung betont, dass Laien keine passiven Empfänger von Dienst sind – sie sind die Hauptträgerinnen und -träger des Evangeliums im Alltag. Mitgliedschaft umfasst Verantwortung in mehreren Dimensionen:

Geistliche Praxis

  • Teilnahme an Gottesdienst, Gebet, Bibelstudium und Sakramenten (Art. 217.1).
  • Wachstum in persönlicher Heiligung und Nachfolge.

Gegenwart und Gemeinschaft

  • Treue Teilnahme an Gottesdiensten und Kleingruppen.
  • Unterstützung anderer in der Bündnisgemeinschaft.

Gaben und Dienst

  • Finanzielle Unterstützung durch Zehnten und Gaben (Art. 217.4).
  • Aktiver Dienst in gemeindlichen Arbeitsbereichen, Diakonie und Mission.

Zeugnis und Evangelisation

  • Den Glauben in Wort und Tat teilen.
  • Christus im Alltag und Beruf repräsentieren.

Leitung und Mitbestimmung

  • Laien sind stimmberechtigte Mitglieder der Gemeindekonferenz (Charge Conference) (Art. 246, 248).
  • Laien dienen in Ausschüssen (Vermögensverwaltung/Trustees, Finanzen, Pastor-Gemeinde-Beziehungen/SPRC, Mission u. a.).
  • Jede Jahreskonferenz wählt Laien zu Generalkonferenz und Jurisdiktionalkonferenz und sichert so die Stimme der Laien in der Leitung der Kirche.

6. Privilegien der Mitgliedschaft
Mitgliedschaft in einer Gemeinde der EMK bringt Verantwortung und Vorrechte:

  • Empfang der Sakramente der Taufe und des Heiligen Abendmahls (Art. 214).
  • Seelsorgliche Begleitung durch Predigt, Lehre und Pastorale Dienste.
  • Stimmrecht in der Gemeindekonferenz bei Fragen zu Vermögen, Finanzen und Ausrichtung des Dienstes (Art. 248).
  • Eignung, ein Amt in der Ortsgemeinde zu übernehmen (Art. 252–259).
  • Vertretung in den weiteren Räten der Kirche durch Laiendelegierte.

7. Übertritt und doppelte Zugehörigkeit
Mitglieder in gutem Stand können in eine andere EMK-Gemeinde oder aus einer anderen Konfession in die EMK übertreten (Art. 225).
Wo ökumenische Vereinbarungen bestehen, kann unter genehmigten Verträgen eine doppelte Zugehörigkeit bestehen (Art. 231).

8. Beendigung und Wiederaufnahme der Mitgliedschaft
Mitgliedschaft ist ein Bund, kann aber beendet werden, wenn der Bund gebrochen wird:

  • Beendigung: durch Austritt, Anschluss an eine andere Konfession, Entfernung wegen Inaktivität oder anklagbarer Vergehen (nach ordnungsgemäßem Verfahren, Art. 2704.4) oder Tod (Art. 228).
  • Wiederaufnahme: durch Erneuerung der Taufgelübde und die Rückkehr in das bündnishafte Leben der Ortsgemeinde (Art. 229).

9. Die Laien als Dienst des ganzen Volkes
Die Allgemeine Kirchenordnung betont, dass der Dienst der Laien vorrangig ist (Art. 127). Laien tragen die Sendung Christi in Häuser, Schulen, Arbeitsplätze und Gesellschaft. Pastorinnen und Pastoren existieren, um die Laien zuzurüsten – nicht, um sie zu ersetzen.

Das bedeutet: Mitgliedschaft bedeutet nicht, bedient zu werden, sondern Christus durch die Kirche in der Welt zu dienen. Jedes Mitglied ist eine missionarische Jüngerin bzw. ein missionarischer Jünger.

10. Aktuelle Herausforderungen und Chancen

  • Konsummentalität: In einer Kultur der Wahlfreiheit wird Mitgliedschaft mitunter auf persönliche Vorlieben reduziert. Die Kirche muss ihre bündnishafte Bedeutung zurückgewinnen.
  • Generationswechsel: Jüngere Menschen meiden oft institutionelle Mitgliedschaft, schätzen aber authentische Gemeinschaft und Mission. Leitungspersonen müssen Mitgliedschaft als missionale Zugehörigkeit darstellen.
  • Weltweite Verbindung: Mitgliedschaftsgelübde verbinden jede Person nicht nur mit einer Ortsgemeinde, sondern mit einem weltweiten Leib von Glaubenden und stärken so Rechenschaft und missionale Reichweite.

11. Schlussfolgerung: Mitgliedschaft als Mission
Kirchenmitgliedschaft in der Evangelisch-methodistischen Kirche ist kein nominaler Status, sondern ein lebendiger Bund. Verwurzelt in der Taufe, ausgedrückt im Glaubensbekenntnis und gelebt in Gebeten, Gegenwart, Gaben, Dienst und Zeugnis, verbindet Mitgliedschaft die Laien mit Christus und miteinander in der Sendung.

Laien sind keine Zuschauer in der Kirche – sie sind Herz und Hände in der Welt. Wenn Laien Mitgliedschaft als Nachfolge begreifen, wird die Kirche zu dem, was Wesley eine „Gemeinschaft der Glaubenden“ nannte, die nach Heiligung von Herz und Leben strebt und Gemeinschaften und Nationen mit der Liebe Christi verwandelt.